DER BRENNINGER | STRIPTEASE IN DER GONDEL

Was dem Brenninger auffiel, wenn er diesen Winter durch die Alpen gondelte: dass fast nirgendwo mehr mit Sex geworben wurde.

ACHTUNG – der nachfolgende Text enthält Wörter, Sätze und Situationen, die Sie verletzen könnten, so Sie dem Thema „Sport & Sex“ voller Distanz gegenüberstehen. Also bitte auf keinen Fall lesen in diesem Fall! Sondern sofort unbetrachtet löschen! Und auf keinen Fall an Personen unter 21 Jahren weiterleiten! Danke für das Lesen dieser Warnung.

STETS WURDE DEM BRENNINGER VON TEILEN DER LESERSCHAFT/LESERSCHAFTIN  VORGEWORFEN, ER SEI EIN ASEXUELLES WESEN.

WAS ABER NATÜRLICH NICHT STIMMT. DENN:

DER BRENNINGER IST 47 UND SOMIT IM BESTEN MANNESALTER! ERFAHREN GENUG EINERSEITS – UND IMMER NOCH GEIL GENUG ANDERERSEITS, UM DEM THEMA EROTIK AUFGESCHLOSSEN GENUG GEGENÜBER ZU STEHEN.

UM EINGANGS ERWÄHNTE LESERSCHAFT/LESERSCHAFTIN ZU BEFRIEDIGEN, WIRD AN DIESER STELLE HIER KÜNFTIG IN (UN)REGELMÄSSIGEM ABSTAND ZU ERFAHREN SEIN, WELCHE GEDANKEN BRENNINGER BEIM THEMA „SPORT & SEX“ SO DURCH DEN KOPF UND IN DIE HOSE SCHIESSEN. HEUTE:

STRIPTEASE IN DER GONDEL

Keine Schneebilder mehr in Form weiblicher Brüste und Slogans wie „Bei uns kommen Sie schon tagsüber zum Höhepunkt“. Keine Bikini-Girls, die sich, ohne eine Gänsehaut zu bekommen, im Schnee bei einem Stangentanz am neuesten Ski-Modell versuchten. Kein… – und so weiter…

In seiner Jugend, erinnerte sich der nun bereits 47jährige Brenninger, war das noch vollkommen anders gewesen. Sex galt als DIE Verkaufsmasche und wurde auch im Wintersport auf Teufel-komm-raus eingesetzt.

Was für eine schamlose Zeit! ; – ) , dachte Brenninger. Und rannte sofort in den Keller, um ein wenig die Erinnerung zu suchen – in Form eines Aufsatzes, den er damals, vor rund 30 Jahren, für die Schülerzeitung verfasst hatte – wo er freilich nie erschien. Brenninger war froh darüber – im heutigen Me too-Zeitalter müsste er sich ja schämen, jemals derartiges zu Papier gebracht zu haben. Und dann begann er seinen eigenen Report von einst zu lesen (man beachte auch die damalige Rechtschreibung):

* * *

Auf der Alm, da gibt’s koa Sünd’! Denkste. Denn gleich wird es hier – in Tirol auf fast 1 800 Metern Höhe – so sündig zugehen, daß die unschuldigen weißen Schneeflocken ziemlich rot anlaufen und vielleicht gar vor Scham zerschmelzen werden. Denn gleich, in wenigen Minuten, wird hier ein Striptease stattfinden. In einer Gondel. Nicht etwa ein Gaudi-Strip als Bestandteil eines zünftigen Hütten-Pfänderspieles etwa. Nein, ein richtig echter Strip. Dargeboten von einer Brasilianerin, die ansonsten im städtischen Innsbruck sich ihrer Textilien entledigt. Doch nun hierher in die dörflerische Tiroler Provinz gegondelt ist.

Den Pfarrer haben die Initiatoren der Veranstaltung – eine Bergbahn – natürlich schon gefragt vorher, ob er mit dieser Sache einverstanden sei. Und der zeigte sich auch ziemlich besorgt: “Verkühlt des Madl sich denn da nicht?” Aber einen inquisitorischen Bannruf dagegen hat er nicht gerade erhoben. Er kann doch nicht so altmodisch sein und den Gemeindemitgliedern das touristische Geschäft vermasseln. Und ausserdem, wird er sich vielleicht gedacht haben, gibt es dann anschließend wieder Kundschaft – beim Beichten.

Er selbst freilich, der Herr Pfarrer, ist nicht zugegen bei dieser “Blue hour”, die erst lange nach Sonnenuntergang stattfindet, zu einem Zeitpunkt, da alle Skifahrer sich bereits wieder im Tal befinden und nur noch die Teilnehmer dieser “Blauen Stunde” am Berg heroben der atemberaubenden Dinge harren. Am aufgeregtesten von allen ist Rudi aus Rüsselsheim – er hat bereits beim Frühstück gefragt, wie das alles wohl ablaufen wird. Denn einen Strip in der Gondel – das kann er sich in der Praxis nicht so recht vorstellen. “Das ist doch viel zu eng, wenn da die Zuschauer zusammen mit der Tänzerin drin sind!”.

Die Tänzerin ist übrigens bereits vor einer Stunde eingetroffen – einige haben sie bereits gesehen (“rassig, rassig!”), desgleichen ihren “Manager”, der ausgestattet ist mit einem Kreuz so breit wie der Großglockner. Trotzdem hat er aber bei der Ankunft die zierliche Dame den Koffer mit den Auszieh-Utensilien schleppen lassen sowie einen Ghetto-Blaster, den sie auf ihre schmale rechte Schulter gewuchtet hat.

Jetzt aber nun trägt ER den Kassetten-Recorder, denn jetzt ist es soweit – die Show beginnt! Die Umgebung scheint wie geschaffen für eine erotische Atmosphäre – es gibt nichts anheimelnderes als eine Skilift-Bergstation: Grimmige Kälte, nackter Beton, grippefördernde Zugluft, eisige Eisenträger – und der den Rücken hinabjagende Sound, wenn bremsende Gondeln sich mit quietschenden Stahlseilen zu einem infernalischen Brunft-Gekreische vereinen.

Doch nun werden alle Gondeln ab- und der Kassetten-Recorder angestellt. Denn zu jedem Tanz gehört nun mal Musik, auch wenn sie ein wenig krächzt. Die Stripperin – sie heißt angeblich Eve – breitet auf dem Betonfußboden einen kleinen Teppich aus, auf dem sie eine mindestens siebenschwänzige Peitsche parat legt.

Dann begibt sie sich in eine Gondel, die hell erleuchtet und dankenswerterweise mittels eines elektrischen Heizkörpers etwas erwärmt ist. Alle Zuschauer(innen) sind eingeladen, sich rings um die Gondel zu scharen und durch das Fenster in das Innere zu starren. Doch alle ziehen sich in eine sichere Entfernung zurück, um ja keinen näheren Kontakt zu erhalten.

Alles, was die braunhäutige Eve trägt, ist schwarz. Die Bluse, der Schleier, die Sonnenbrille, die knallengen Hotpants, die langen Stiefel, der breitkrempige Hut. Sie tänzelt hin, sie tänzelt her, mal mit der Musik, mal ziemlich daneben. Sie räkelt sich lasziv tuend auf dem Teppichlein, wälzt sich auf dem eiskalten Boden (der Herr Pfarrer hat recht – sie wird sich verkühlen!), steckt lolitamäßig den Finger wie einen Lolli zwischen die grellrotgeschminkten Lippen, betritt die Gondel – und beginnt sich die Hotpants abzustreifen.

500 bis 600 Mark etwa muss man hinlegen, um einen derartigen Alpen-Strip zu erhalten. Das Programm ist erstmals diesen Winter buchbar für jedermann – und soll den Après-ski-Spaß gewaltig erhöhen. Ja, ja – die Tiroler sind lustig. “Auf die Idee gebracht”, so ein Sprecher der Bergbahn, “hat uns eine Altherren-Fußball-Mannschaft aus Süddeutschland. Die haben gesagt, das würde noch fehlen – dann wär‘s wirklich super hier”.

Und weil eben nichts fehlen darf im Tourismus, haben die Bergbahnler sich nach einer Agentur umgesehen, die derlei organisiert. Daraufhin ist der Manager mit seiner Eve aufgetaucht. Die sich nun ihrer Hosen entledigt hat, vorsichtig – damit nichts verbrennt – über den Heizkörper hinweg aus der Gondel sich windet und mit ihren Tanzschritten wieder den Betonboden malträtiert. Eve entledigt sich dann auch ihrer Bluse, so dass nun Strapse und stützende Brustträger zu sehen sind, zwischen denen der blanke Busen hervorlugt. Fest wippt er im Rhythmus der Musik mit.

Besagte Bergbahn ist bereits früher einmal berühmt geworden – mit der Erfindung namens “Schmusegondel”. Dies war eine mit Plüsch ausgeschlagene Aufstiegshilfe, in der Champagner kredenzt und ein Vorhang zugezogen werden konnte. Und irgendein anderer österreichischer Ort hat es vor ein paar Jahren gleichfalls geschafft, in allen Medien aufzutauchen – als man eine Nackt-Loipe für Langläufer ins Leben gerufen hatte. Die “Schmusegondel” wurde inzwischen eingestellt und die FKK-Langläufer werden vermutlich an geflissentlichen Erfrierungen eingegangen sein.

Was bei Eve gottlob nicht zu befürchten ist. Das einzige, was sie noch von sich gibt, ist der Hut sowie ein leichtes Stöhnen, als sie mit den Händen etwas unzüchtige Körpermanipulationen an sich vornimmt, die den PR-Manager des Seilbahn-Unternehmens ersichtlich entsetzen: “Das ist doch viel zu ordinär – so war das nicht gedacht!”

Nach 22 Minuten ist alles zu Ende und Eve entschwindet im Maschinenraum. Die Show ist beendet – und Rudi ist enttäuscht: “Da wär’ mir die Bedienung von der Ski-Alm lieber gewesen!” Aber die hätte bei so einem unmoralischen Angebot garantiert abgelehnt. Hätte gesagt: “Auf der Alm – da gibt’s koa Sünd’!”

Aber dabei durchaus ein wenig mit den Augen gezwinkert.

Jupp Suttner

Wer den Brenninger nicht kennt: Der ist  47 Jahre jung, 1,77 m groß, bisweilen bis zu 80 kg schwer und ein typischer Freizeitsportler. Er ist auch oftmals auf Reisen. Was er unterwegs und zu Hause erlebt, lesen Sie jeden Dienstag auf Reise-Stories.de – niedergeschrieben von Jupp Suttner. Wobei schon allein am Alter ersichtlich ist, dass der Autor NICHT der Brenninger ist. Wer genau hinter B. steckt – wer weiß das schon…

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