DER BRENNINGER | MARATHON AUF DEM BALKON

Brenninger war bereits mehrere Marathons gelaufen.

Und wusste um die Tortur auf manchen der 42,195 Kilometer. Bewundernd hatte er deshalb stets den Hut gezogen, wenn irgendwelche Menschen auf irgendwelchen Kreuzschiffen einen Marathon auf den Planken eines Dampfers absolvierten.

„Respekt“, zollte Brenninger diesen Läufer(inn)en Anerkennung, „was für eine fabelhafte Psyche die doch besitzen!“ Denn nicht die Beine bilden das bockige Hindernis für derartige Aktionen, sondern der Geist.

Und jetzt wiederum las Brenninger von noch verrückteren Marathons – gestartet jeweils, um dem Corona-Eingesperrtsein zu entfliehen:

So legte letzte Woche im französischen Toulouse der Franzose Elisha Nochomovitz auf seinem Balkon 6.027 Runden zu je 7 Meter, also die Marathondistanz, zurück – in 6:48 Stunden. Balkon-Weltrekord!

Doch nicht lange.

Denn:

Wenige Tage später erzielte das südafrikanische Ehepaar Hilda und Collin Allin auf einem Balkon in Dubai 5:09 Stunden. Allerdings war deren Balkon mit 20 Meter Auslaufmöglichkeit etwas länger beschaffen, so dass lediglich 2100 Laufrunden nötig waren.

Brenninger bekam früher schon einen Drehwurm, wenn er im Münchner Michaelibad 1.500 m Kraul abspulte, also 60 Bahnen. Oftmals wusste er am Ende nicht mehr: Habe ich nun 58 oder 62 – oder doch vielleicht 60 Bahnen absolviert?

Bis er auf den Trichter mit dem Alphabet kam. Und auf Stadt, Land, Fluss. Auf jeder Bahn spielt er seitdem dieses Quiz.

Auf der 1. Bahn mit Buchstabe A,

auf der 2. Bahn mit B,

auf der 3. Bahn mit C – und so weiter.

Er weiß:

Da gibt es kein Verzählen mehr:

Zuerst die 26 Buchstaben des deutschen Alphabets, dann noch einmal 26 Buchstaben – ergibt 52 Bahnen, dann braucht es nur noch A, B, C, D, E, F, G und H. Sind Hannover, Honduras und die Havel dran, dann:

Fertig!

Wie das Dubai-Ehepaar zählte, entzieht sich Brenningers Kenntnis. Der Toulouse-Marathoni hingegen hatte einfach eine Schritt- und Kilometer-Zähl-App eingeschaltet.

Noch weniger Raum zum Laufen besaß übrigens kürzlich ein 38jähriger Saarländer namens Florian Neuschwander. Jener rannte vor ein paar Wochen 50 Kilometer auf dem Laufband.

„Sowas könnte ich NIE!“, dachte sich Brenninger und ging in den Keller. Nicht um zu lachen, sondern um dort auf dem Hometrainer zu radeln – fast 50 km!

„Und morgen“, schwor er sich, „schwimme ich 1.500 Meter Kraul!“.

In der Badewanne.

 

Jupp Suttner

 

Wer den Brenninger nicht kennt: Der ist  47 Jahre jung, 1,77 m groß, bisweilen bis zu 80 kg schwer und ein typischer Freizeitsportler. Er ist auch oftmals auf Reisen. Was er unterwegs und zu Hause erlebt, lesen Sie jeden Dienstag auf Reise-Stories.de – niedergeschrieben von Jupp Suttner. Wobei schon allein am Alter ersichtlich ist, dass der Autor NICHT der Brenninger ist. Wer genau hinter B. steckt – wer weiß das schon…

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